Ajzen beschrieb die Einstellung zu einem Verhalten als „das Ausmaß, in dem eine Person das betreffende Verhalten positiv oder negativ bewertet“ (Ajzen, 1991). Einfacher ausgedrückt: Es geht darum, ob wir glauben, dass eine Handlung zu Ergebnissen führt, die wir schätzen.
Zwei Faktoren prägen diese Bewertung:
- Verhaltensüberzeugungen – was wir erwarten, was passieren wird, wenn wir handeln.
- Ergebnisevaluationen – wie wichtig uns diese Ergebnisse sind.
Fügt man beides zusammen, erhält man die Stärke der Haltung einer Person gegenüber der Handlung.
Das zeigt sich im Alltag. Nehmen wir zum Beispiel das Anlegen des Sicherheitsgurtes:
- Wer glaubt, dass Sicherheitsgurte schwere Verletzungen verhindern (Glaube) und Wert auf persönliche Sicherheit legt (Bewertung), wird die feste Absicht haben, sich jedes Mal anzuschnallen.
- Jemand anderes mag zwar glauben, dass Sicherheitsgurte Leben retten, empfindet sie aber als unbequem oder hält sie für kurze Strecken für unnötig. Da ihm der Nutzen in diesem Fall nicht so wichtig ist, schwächt sich seine Absicht ab.
Ajzen und andere haben gezeigt, dass diese Einstellungen einen erheblichen Teil der Gründe dafür erklären, warum Menschen handeln wollen – oder eben nicht. Tatsächlich legen Studien aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Arbeitsplatzverhalten nahe, dass Einstellungen allein oft 30–40 % der Unterschiede in den Handlungsabsichten ausmachen.

Diese Unterscheidung ist in der Luftfahrt besonders wichtig. Ein Experte kann die Sicherheit im Allgemeinen voll und ganz befürworten, aber dennoch eine bestimmte Maßnahme wie das Abarbeiten einer Checkliste herunterspielen. Deshalb betonte Ajzen, dass konkrete Einstellungen zu einem Verhalten aussagekräftigere Indikatoren sind als allgemeine Wertvorstellungen.
Stellen Sie sich zwei Piloten vor, die nebeneinander im Cockpit sitzen:
- Man ist überzeugt, dass Checklisten Fehler verhindern, die Crew auf Kurs halten und Leben schützen – und diese Ergebnisse werden sehr geschätzt. Die Absicht, die Checkliste sorgfältig zu befolgen, ist groß.
- Der andere weiß zwar, dass Checklisten hilfreich sind, priorisiert aber Effizienz oder ein souveränes Auftreten. Die Vorteile werden zwar erkannt, aber unterschätzt, und die Motivation lässt nach.
Beide funktionieren nach denselben Regeln. Der Unterschied liegt darin, wie sie die Konsequenzen des jeweiligen Verhaltens bewerten.

Ajzen betonte außerdem das von ihm so genannte Kompatibilitätsprinzip : Je besser die Frage nach der Einstellung mit dem konkreten Verhalten übereinstimmt, desto zuverlässiger ist die Vorhersage. Anders ausgedrückt: Die Frage an einen Piloten: „Glauben Sie an Sicherheit?“ sagt wenig darüber aus, ob er eine Checkliste gründlich durchgehen wird. Die Frage „Glauben Sie, dass die Checkliste vor dem Start Fehler verhindert?“ hingegen ist direkt mit der Absicht verknüpft – und daher weitaus aussagekräftiger.
Jahrzehntelange Forschung belegt dies. Branchenübergreifend, von der Gesundheitsbranche bis hin zu Compliance-Richtlinien, erweisen sich bestimmte Einstellungen immer wieder als direkter Indikator für die Absicht. Das bedeutet, dass in der Luft- und Raumfahrt selbst kleinste Verhaltensweisen – wie die Schichtübergabe, die Dokumentation einer geringfügigen Wartungsabweichung oder die Durchsicht eines Betriebshandbuchs – nicht nur durch die Vorschriften, sondern auch durch die persönliche Bewertung dieser einzelnen Handlung geprägt sind.
Reflexionshinweis für die Leser:
Denken Sie an eine Sicherheitsroutine, die Sie täglich durchführen. Tun Sie dies, weil Sie glauben, dass sie Fehler verhindert, weil sie Ihrem Team Sicherheit gibt oder weil sie sich einfach nur wie eine Pflicht anfühlt? Ihre Antwort verrät viel über die Einstellung hinter Ihrem Handeln.
Woher kommen diese Einstellungen? In Teil 3 werden wir untersuchen, wie vergangene Erfahrungen, Schulungen und die Organisationskultur die Art und Weise prägen, wie Fachleute in der Luft- und Raumfahrt sicherheitsrelevantes Verhalten bewerten.
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Referenzen
- Ajzen, I. (1985). Von der Absicht zur Handlung: Eine Theorie des geplanten Verhaltens. In J. Kuhl & J. Beckmann (Hrsg.), Handlungskontrolle: Von der Kognition zum Verhalten (S. 11–39). Springer.
- Ajzen, I. (1991). Die Theorie des geplanten Verhaltens. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 50 (2), 179–211.
- Armitage, C. J. & Conner, M. (2001). Wirksamkeit der Theorie des geplanten Verhaltens: Eine Metaanalyse. British Journal of Social Psychology, 40(4), 471–499.
- Fishbein, M., & Ajzen, I. (1975). Glaube, Einstellung, Absicht und Verhalten: Eine Einführung in Theorie und Forschung. Addison-Wesley.


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